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Jeder Blick offenbart neue Dimensionen, enthüllt neue bisher unentdeckte Details. Misanthropisch-düster und dramatisch-überladen. Prophetisch-religiös, voller Schmerz und Hoffnungsschimmer. Der Ausstellungstitel bezieht sich nach Angaben des Künstlers auf das Gemälde „Mechanismus Leben“. „Dieses ist ein sehr wichtiges und persönliches Kunstwerk von mir und umschreibt in seiner apokalyptischen Weise die Mechanismen des menschlichen Daseins. Ich sehe dieses Bild als Quelle für mein künstlerisches Schaffen aus der viele andere Geschichten hervorgegangen sind. Es lag daher nahe, meine Ausstellung so zu benennen.“
Erstmals werden nun auch Vollplastische Arbeiten des Künstlers zu sehen sein. Und obwohl die erste Skulptur erst 2005 entstand äußert der Künstler: „Die Arbeit daran fand ich so berauschend, das weitere folgten. Heute bilden die Skulpturen einen nicht wegzudenkenden Teil meiner Kunst und es werden in meiner Zeit sicher noch die ein oder anderen das Licht dieser Welt erblicken.“ Und er erzählt weiter: „Die Skulpturen unterliegen gewissen Thematiken. Dort gibt es Dämonen, die meinen Hang zur Mythologie offenbaren. Oder die Serie „Identität ungeboren“. Eine Reihe von Geschöpfen die ich nach einem Besuch im medizinhistorischen Museum Berlin anfertigte. Die Skulptur namens „Inlastris“ die den Einstieg zur Geschichte „Die verlorene Generation“ bildet.
Dennoch werden die gemalten Werke einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden: „Die Malerei bedeutet mir sehr viel und ich versuche damit den Betrachter in eine für ihn fremde Welt zu entführen, sein Bewusstsein zu wecken um ihn anschließend auf die Suche nach Antworten zu schicken. Die Malerei ist für mich das perfekte Medium und so wird es eine Mischung aus älteren wie auch neuen Gemälden zu sehen geben.“ Quelle der Inspiration ist für den Künstler dabei, wie so oft, in erster Linie der Mensch selbst. Die gewonnenen Erkenntnisse aus Geschichte, Gegenwart und Zukünftigem setzt Gebhardt dann in seinen Traum- und Fantasiewelten bildlich um. „Meine Arbeiten stellen zum Teil eine dunkle und morbide Welt dar, aber nicht ohne Hoffnung. Man muss verstehen lernen, dass all diese schlechten Dinge dazugehören. Ich gehe sogar soweit und behaupte dass diese Dinge notwendig sind für die Evolution.“
Ebenso notwendig wie Religion? Denn sowohl versteckt, als auch offensichtlich kann man Gebhardts Bildern oft entnehmen wie sich der Künstler zum Thema Glauben positioniert. „Religionen sind nun mal unzertrennlich mit der Menschheit verwachsen und der Glaube daher ein nicht weg zu denkendes Element. Ich benutze dies als Metapher gern in meinen Bildern. Ich als Atheist bin frei im Geist und kann mit dieser Thematik problemlos umgehen. Den Glauben an sich sehe ich als Segen und Fluch zugleich. Segen, da er vielen Menschen einen Halt gibt und Fluch, wir wissen alle was Glauben anrichten kann. Denn man sagt, es gibt gerade so viel Glauben auf dieser Welt um sich zu hassen, aber nicht um sich zu lieben. Wenn du mich persönlich fragst, was Glaube(n) für mich bedeutet, kann ich nur sagen, dass er sehr wichtig ist für mich. Nicht auf religiöser Ebene. Aber Glaube heißt auch Hoffnung und ein Mensch ohne Hoffnung ist tot. Dum Spiro, Spero!”
Sehr reflektiert setzt sich Torsten Gebhardt in seinen Bilder auch immer wieder mit unangenehmen Themen wie z.B. Serienmördern auseinander. „Wenn man solche Dinge angeht sollte man sich schon damit beschäftigen. Es ist ein sehr heikles Thema, wo man aufpassen muss nicht missverstanden zu werden. Ich habe sehr viel gelesen über diese Menschen und deren Taten und wollte mit Hilfe meiner Malerei den Dingen ein Gesicht geben. Es gibt keine Rechtfertigung für deren tun, aber es ist meiner Meinung nach im Versagen der jeweiligen Gesellschaft begründet.“ Dennoch beschäftigt sich der Künstler nicht einseitig mit „Gut“ und „Böse“. Auch die feinen Unterschiede weiß er nuanciert wiederzugeben. Monumentalporträts und futuristische Horrorszenarien finden sich also ebenso im Repertoire Gebhardts wie das Gemeinschaftswerk mit einem befreundeten Künstler: „Das Gemeinschaftswerk „Begegnung“ mit M. Reitzuch stellt für mich etwas ganz besonderes dar. Immerhin reden wir hier über ein Werk das in einem Zeitraum von 4 Jahren entstand und das wir uns gegenseitig immer wieder zuschickten. Das war eine sehr inspirierende Zeit. Das Gemälde wird auf alle Fälle in der Ausstellung zu sehen sein.“
Was bleibt abschließend mehr zu sagen als kommt und staunt! Denn dies ist der Ort an dem die Götter dem Menschen ihre Absichten offenbaren. Die trügerische Ewigkeit des Seins ist nur ein Teil des Mechanismus Leben, bei dem die Vergänglichkeit gefangen ist in ihrem eigenen Teufelskreis und der Humanist tot geboren auf das letzte Abendmahl hofft. Hier tanzen Verlust und Schmerz einen gemeinsamen Totentanz während die Ignoranz des Glaubens hochmütig auf das Experiment Geburt hinabschaut. Und dennoch gilt: „Solange ich atme habe ich Hoffnung!“
Interview mit Torsten Gebhardt zu seinem Werk "Reqiuem" >>> klick hier <<< |